Veranstaltungsnachlese
Workshop „Sanierungsfahrpläne öffentlicher Gebäudeportfolios“ Teil 1

Am 23.04. fanden von 10:00 bis 16:00 zwei Workshops der Reihe „Sanierungsfahrpläne öffentlicher Gebäudeportfolios“ statt.

Vormittagsblock Sanierungsstandards und konkrete Bausteine für nachhaltige Sanierungsprogramme

Freude am Bestand – Sanierung als Chance – Arch. DI Gerhard Kopeinig

Gerhard Kopeinig referierte in einem für die Zuhörer sehr spannenden Vortrag über die nachhaltige Sanierung im Bestand. Mit anschaulichen Folien von konkreten Sanierungsprojekten seines Architekturbüros Arch:more untermauerte er seinen Vortrag und bewies, dass nachhaltige Sanierung auch architektonisch ansprechend gestaltet werden kann.

MESTRI-Projektvorstellung, Kurzzusammenfassung EEDIII, DI David Frick, DI Maximilian Kittl

Frick David stelle die Hauptziele, Akteure und Inhalte des Projektes MESTRI-CE vor. Er gab auch eine Übersicht über alle folgenden Events die im Zuge von MESTRI CE finanziert und abgehalten werden.

Kittl Maximilian gab dem Publikum einen Überblick über die EED III Anforderungen und was auf Gemeinden und öffentliche Eigentümer von Gebäuden in Zukunft für Vorgaben zu kommen werden.

Gemeinsames Erarbeiten eines nachhaltigen Gebäudestandards für öffentliche Gebäude

Die erste Gruppe befasste sich mit dem Oberthema “Bau- und Gebäudetechnik”. Erster Diskussionsschwerpunkt war das Thema „Raus aus Öl und Gas”, das als zentrales Nachhaltigkeitsthema in Bezug auf die Energieversorgung von Gebäuden definiert wurde. Es wurde darauf hingewiesen, dass diese Anforderung in Zukunft auch vom Gesetzgeber in Österreich und der EU vorgeschrieben wird und daher für jedes nachhaltige Gebäude gelten sollte. Es wurde weiter spezifiziert, dass es Anforderungswerte für Kühlen, Heizen geben sollte. Hier wurde der Energieausweis mit seinen standardisierten Werten als sehr vergleichbar und für Österreich relevant eingestuft. Für ökologische Baustoffe wurde der Standard OI3 Index als etablierter und einfach zu berechnender Wert identifiziert. Dieser kann über die Plattform Baubook und Energieausweisberechnungsprogramme ausgegeben werden. Eine weitere wichtige Erkenntnis aus der Diskussion war, dass die Anforderungen an nachhaltige Gebäude immer nutzungsspezifisch angepasst werden müssen. So sollten z.B. Kriterien der Behaglichkeit in Innenräumen bei Schulgebäuden stärker gewichtet werden als bei anderen Gebäuden. Ein Input, der nicht direkt in diese Überkategorie passt, war die Bewertung der Entsiegelung, die bei der Sanierung bewertet werden sollte.

Die zweite Gruppe beschäftigte sich mit “Infrastruktur und Standort”. Hier haben sich aus der Diskussion vier Kategorien hervorgetan: einerseits ist ein Mobilitätskonzept wichtig, welches Fahrradwege, Fahrradabstellplätze, Car-Sharing-Optionen, E-Bike- und Lastenradverleih/-angebot und Rufbusse berücksichtigen soll, aber auch den Ausbau vom ÖVPN und eine generelle Verkehrsberuhigung thematisieren soll. Weiters ist das Umfeld für einen nachhaltige Infrastruktur sehr relevant. Es sollten Einkaufsmöglichkeiten gegeben sein, Bildungseinrichtungen, Freizeitmöglichkeiten und generell ein attraktives Umfeld auch für die Gastronomie geschaffen werden. Um einen Standort attraktiv zu gestalten, soll auch die Entsiegelung und Begrünung für eine nachhaltige Umsetzung berücksichtigt werden. Hier spielt vor allem die Kühlung, die im Sommer durch die Entsiegelung und Begrünung bewirkt werden soll, eine große Rolle. Als vierte Kategorie wurde die multifunktionelle Gebäudenutzung hervorgearbeitet. Hierbei geht es darum, möglichst viel Nutzen aus einem Gebäude zu gewinnen, Leerstand zu vermeiden und dem Umfeld viele Möglichkeiten zu geben, den Raum zu nutzen.

Bei jeglichen Planungen für einen nachhaltigen Standort und Infrastruktur ist jedoch in der Gruppe herausgekommen, dass das Nutzungsverhalten und der Bedarf der Bevölkerung auf jeden Fall erhoben werden soll, um möglichst Bürger:innennahe Räumlichkeiten zu gestalten, die lange in unterschiedlichen Funktionalitäten für ein möglichst großen Publikum genutzt werden können.

Die dritte Gruppe behandelte den Themenbereich “Behaglichkeit und Ökologie”. In der Diskussion kristallisierten sich vier Kategorien als wichtige Säulen dieses Themenbereichs heraus: 1. Behaglichkeit; 2. Baustoffmanagement; 3. Gebäudebetrieb; 4. Grundstück und Gebäude. Im Zuge des Austauschs zeigte sich, dass es sich vielfach um Querschnittsmaterien des Themenbereichs in sich handelt aber auch in Konnex mit den anderen Kategorien wie “Bau- & Haustechnik” und “Infrastruktur & Standort” steht. Der Schwerpunkt in der Erarbeitung lag vor allem im Bereich der Baumaterialien, deren Klimawirkung, Langlebigkeit sowie deren Fähigkeit als Temperatur- und Feuchtespeicher im Gebäude als Schnittstelle zur Erfüllung von Behaglichkeitsanforderungen zu fungieren. Die Behaglichkeit, insbesondere die Sommertauglichkeit von Gebäuden, stand als zweites zentrales Element in der Diskussion im Vordergrund. Dabei wurde die große Herausforderung für Planer:innen zur Erfüllung der wesentlichen Behaglichkeitskriterien thematisiert. Dies betrifft insbesondere die Sicherstellung einer adäquaten Luftqualität, ausreichend natürliches Licht sowie akustische Anforderungen an das Gebäude.

 

Nachmittagsblock Finanzierung von Sanierungsprogrammen mittels PPP und Contracting

Unter anderem aus der EED (Energy Efficiency Directive der EU) ergeben sich Anforderungen an den Gebäudebestand, die es notwendig machen, sich über die Finanzierung von Gebäudeportfolios noch weitreichender als bisher Gedanken zu machen. Diesbezüglich wurde der Workshop genutzt, um sich den Themen Contracting und PPP (Privat-Public-Partnership) zu widmen, sich über deren möglichen Einsatz auszutauschen und Umsetzungsmöglichkeiten zu definieren.

Dazu wurde von DI (FH) Reinhard Ungerböck das Projekt ELENA Styria mit dem speziellen Fokus “Eigenregie vs. Energiedienstleistung” vorgestellt. Andreas Kettenhuber, MLS von der Kommunalkredit Austria AG brachte noch weiteren Input zum Thema PPP und welche Umsetzungsmöglichkeiten sich bei öffentlichen Einrichtungen dahingehend ergeben.

In der darauffolgenden Diskussion wurde Fragen zu Finanzierungs- und Schuldenlimits sowie zur Sichtbarkeit von alternativen Finanzierungsmodellen in Städten und Gemeinden angesprochen. Diskutiert wurde dabei zum Beispiel über konkrete Projekte und unterschiedlichen Finanzierungsvolumen sowie deren Möglichkeiten von klassischen und möglicherweise alternativen Finanzierungsmethoden beziehungsweise wann diese sinnvoll anzudenken sind. Es stellte sich dabei heraus, dass oftmals ausreichende Information und Beratung für öffentliche Gebietskörperschaften dahingehend fehlt.

Passend dazu stellte DI Johann Reßler von der Energie Agentur Steiermark abschließend ein Projekt über die Möglichkeiten von Contracting in der Steiermark vor.

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