Energie Agentur Steiermark
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Nachlese Energieausweisworkshop – 21.04.2021

Am 21.04.2021 fand von 10-12 Uhr der interaktive Online-Workshop „Energieausweis 2.0 – welche Erweiterungen sind sinnvoll?“ statt.

Der Workshop wurde gemeinsam von der Energie Agentur Steiermark und der Technischen Universität Wien im Rahmen des Horizon-2020-geförderten Projektes „X-tendo“ abgehalten. Dabei wurden die im Projekt entwickelten Methoden zum Smart Readiness Indicator, Komfortindikator und zu verbesserten Empfehlungen vorgestellt und diskutiert. Nachfolgend werden die Diskussionsergebnisse kurz zusammengefasst.

Beim Smart Readiness Indikator wurde darauf verwiesen, dass sich auch bereits eine nationale Arbeitsgruppe mit der Umsetzung in Österreich beschäftigt und hierbei möglichst Synergien gesucht werden sollen. Die Relevanz für EndkundInnen bzw. Privatpersonen wird als eher gering eingeschätzt und betrifft eher mehr die Behörden, Förderstellen oder EnergieausweisberechnerInnen. Eine Hürde könnte es sein, das Vertrauen der EndkundInnen zur Datenweitergabe zu gewinnen bzw. die Vorteile und den Mehrwert des SRIs an die EndkundInnen zu vermitteln. Zudem stellt die Berechnung des SRIs noch weitere Anforderungen an die EnergieausweiserstellerInnen sowie an die Energieausweisprogramme bzw. an die korrekte Abbildung der Haustechniksysteme in den Berechnungsprogrammen. Im Rahmen der Diskussion wurde ebenso die Sinnhaftigkeit von sogenannten „High-Tech“-Gebäuden aufgeworfen und die Frage gestellt, ob die NutzerInnen überhaupt bereit für solche smarten Systeme sind.

Beim Komfortindikator wurde festgestellt, dass dieser eher für Nichtwohngebäude (besonders Schulen und öffentliche Gebäude) relevant sein könnte. Die Anwendung eines solchen Indikators kann durch öffentliche Auftraggeber forciert werden, indem diese hier mit gutem Beispiel vorangehen (z.B. Vorschreibung der klimaaktiv-Kriterien). Der Markt bzw. die Interessentengruppe bei PrivatkundInnen wird als relativ klein eingeschätzt. Zusätzliche Bewertungskriterien im Energieausweis würden zudem die Energieausweiserstellung verteuern. Angezweifelt wurde auch, ob für diesen Indikator der Energieausweis der richtige Platz ist und ob Bewusstsein zum Zusammenhang zwischen hohem Wohnkomfort und energieeffizienten Gebäuden  nicht besser bei Energieberatungen usw. angesiedelt werden kann. Auch wurde aufgeworfen, ob mit dem Instrument „Energieausweis“ wirklich sämtliche GebäudenutzerInnen (z.B. im Geschoßwohnbau) erreicht werden und energieeffizientes NutzerInennverhalten forciert werden kann. Zudem wurde angemerkt, dass ein Energieausweis für einen geplanten Neubau oder Renovierungszustand nicht die tatsächliche Umsetzungsqualität bewertet. Dies kann nur in einem zweistufigen Verfahren („Fertigstellungsenergieausweis“) erfolgen.

Empfehlungen im Energieausweis zur Erreichung höherer Energieeffizienz (nächsthöhere Klasse, Niedrigstenergiestandard) sollten insgesamt sichtbarer hervorgehoben werden und sind je nach Zweck des Energieausweises (Vermietung, Verkauf, Renovierung, Neubau etc.) von unterschiedlicher Relevanz. Die angegebenen Empfehlungen haben im äußerten Fall auch einen Einfluss auf den „Verkaufswert“ eines Gebäudes. Kostenangaben zu Maßnahmenempfehlungen am Energieausweis werden als sehr schwierig eingeschätzt und von den anwesenden EnergieausweisberechnerInnen eher abgelehnt (Haftungsfrage für Richtigkeit der Informationen). Die Verlinkung der Empfehlungen mit den Klimazielen bzw. dem politischen Rahmen erfolgt im weitesten Sinne bereits, indem Empfehlungen für größere Renovierungen einen Bezug zu den Anforderungen an den Niedrigstenergiegebäudestand herstellen müssen.

Abschließend wurde mittels Mentimeter-Abstimmungen festgestellt, dass eine hohe Intelligenzfähigkeit von Gebäuden wahrscheinlich einen höheren Einfluss auf Energieverbrauch sowie Betriebs- und Energiekosten hat, für den Verkaufswert einer Liegenschaft aber eher nur eine untergeordnete Rolle spielt. Eine hohe Energieeffizienz wird gegenüber einem hohen Komfortindikator von den Teilnehmenden  bevorzugt.

Die Einladung sowie die Nachlese zu den Vorträgen finden Sie untenstehend:

 

Wir bedanken und bei allen TeilnehmerInnen für die spannenden Diskussionen und das wertvolle Feedback.

Fragen oder Anregungen zum Workshop bzw. Projekt X-tendo jederzeit gerne an maximilian.kittl@ea-stmk.at richten.

Mehr Informationen zum Projekt X-tendo sowie die Newsletteranmeldung finden Sie hier.