Gemeinden und Regionen

Energiegemeinschaften

Um der Klimakrise Einhalt zu gebieten und die Treibhausgasemissionen massiv zu reduzieren, wurde mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) die Möglichkeit geschaffen, Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften und Bürgerenergiegemeinschaften zu gründen. Das EAG bietet nun für alle in Österreich lebenden Bürger*innen viele Anreize, sich gemeinsam an der Energie-, Strom- und Mobilitätswende zu beteiligen.
Aktuelle Lage
Die gesetzliche Grundlage für Energiegemeinschaften durchdas Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzespaket (EAG) wurde am 07.07.2021 im Nationalrat beschlossen und am 27.07.2021 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Der Großteil der für Energiegemeinschaften relevanten Bestimmungen ist damit am 28.07.2021 in Kraft getreten.
Strom konnte bislang nur durch eine gemeinschaftliche Erzeugungsanlage am Dach eines Wohnhauses oder mittels eigener Netzinfrastruktur mit Nachbarn geteilt weren. Will man den Strom aus der eigenen Photovoltaik-Anlage jedoch an den Grundstücksnachbarn über das öffentliche Stromnetz weitergeben, war das bislang nicht möglich. Mit Energiegemeinschaften wird das nun erstmals möglich.
 
Die Inhalte auf dieser Webseite basieren auf dem beschlossenen Gesetzestext (EAG),sie wurden mit größtmöglicher Sorgfalt erarbeitet und werden aktuell gehalten. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Inhalte übernimmt die Energie Agentur Steiermark gGmbH keine Gewähr.
Was sind Energiegemeinschaften?
  • Lokale Erneuerbare Energiegemeinschaft (EEG): Eine EEG darf Energie (Strom, Wärme oder Gas) aus erneuerbaren Quellen erzeugen, speichern, verbrauchen und verkaufen. EEGs ist es erlaubt, die Anlagen des Netzbetreibers (wie das Stromnetz) zu nützen, dabei müssen sie immer innerhalb des Konzessionsgebiets eines einzelnen Netzbetreibers liegen. Eine lokale Energiegemeinschaft bedeutet, dass sich die TeilnehmerInnen im Nahebereich desselben Transformators auf Netzebene 6 oder 7 befinden müssen.
  • Regionale EEG: Bei einer regionalen EEG sind die Erzeugungs- und Verbrauchsanlage über das Mittelspannungsnetz und die Mittelspannungs-Sammelschiene im Umspannwerk verbunden (> Netzebene 5).
  • Bürger-EG (BEG): Für Bürgerenergiegemeinschaften gelten ähnliche Regelungen wie für Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften. Im Gegensatz zur EEG darf die BEG nur elektrische Energie erzeugen, speichern, verbrauchen und verkaufen. Sie ist nicht auf erneuerbare Quellen beschränkt und kann sich über die Konzessionsgebiete mehrerer Netzbetreiber in ganz Österreich erstrecken.

 

ACHTUNG: man muss sich bei der Gründung entscheiden, ob eine lokale ODER regionale EEG gegründet werden soll, denn eine Änderung ist nachträglich nicht mehr möglich. Die Teilnahme von EEGs an BEGs ist ab 01.01.2024 rechtlich umsetzbar.

 

Österreichische Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften

Zweck von Energiegemeinschaften
Primärer Zweck von EGs soll und darf nicht der finanzielle Gewinn sein, sondern der Anreiz, den lokalen/regionalen Überschuss möglichst in der Umgebung zu verbrauchen sowie neue erneuerbare Energieerzeugungsanlagen zu installieren. Nur bei der Gründung von regionalen und lokalen EEGs (LEG bzw. REG) sind aktuell finanzielle Anreize vorgesehen (aktueller Entwurf Systemnutzungsentgelte-Verordnung (SNE-VO) sieht Reduktion Arbeitspreis von 27% bei REG bzw. 57% LEG auf Netzebene 6-7 vor). Zudem können EEGs nur im Netz EINES Betreibers gegründet werden. Ob eine regionale oder lokale EEG sinnvoll ist, hängt daher von den Gegebenheiten vor Ort ab (Anzahl Erzeugungsanlagen und deren Überschuss, Verbrauchsstruktur, etc.). Je kleiner die gewählte Variante, umso einfacher ist natürlich die Umsetzung.
Juristische Organisationsformen

EGs müssen juristische Personen sein, wobei als Organisationsform für EEGs vom Verein bis zur Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft Vieles möglich ist. Die Wahl der Rechtsform bleibt freigestellt. Da Energiegemeinschaften mindestens aus zwei Mitgliedern bestehen müssen, sind Konstellationen, wie z.B. nur eine Gemeinde mit mehreren Liegenschaften aber ausgeschlossen. Die in Österreich gängigen Gesellschaftsformen haben ihre spezifischen Eigenschaften (z. B. hinsichtlich Gründungsvorschriften, Haftung, Steuerrecht sowie den Ein- und Austrittsbestimmungen) und damit ihre Vor- und Nachteile.
Eine allgemein empfohlene Gesellschaftsform für EEGs gibt es noch nicht, es wird aber an der Aufbereitung von Unterlagen für den Entscheidungsprozess gearbeitet.

Den aktuellen Stand von Musterverträgen finden Sie auf der Homepage der Österreichischen Koordinationsstelle. 

Wirtschaftlicher Aspekt

Energiegemeinschaften bieten den Teilnehmer*innen die Möglichkeit, Energie gemeinschaftlich zu nutzen und untereinander zu handeln. Mitglieder können wirtschaftliche Vorteile erzielen, indem sie die selbst erzeugte Energie innerhalb der Gemeinschaft verkaufen (zu einem höheren Preis, als sie durch Netzeinspeisung und Verkauf an ein EVU erhalten würden) oder Energie innerhalb der Gemeinschaft beziehen (zu einem geringeren Preis als dem herkömmlichen Strompreis).

Bei Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften gibt es darüber hinaus finanzielle Anreize:

 

Eine Energiegemeinschaft soll wirtschaftlich agieren können. Es ist ihr nicht verwehrt, im Rahmen ihrer Tätigkeiten Gewinne zu erzielen. Dazu zählt beispielsweise auch das Verkaufen der erzeugten Energie. Die Gewinnerzielung darf aber nicht Hauptzweck der Gemeinschaft sein. Dies ist, soweit es sich nicht schon aus der Gesellschaftsform ergibt, in der Satzung festzuhalten. Der Gewinn soll keinen Selbstzweck darstellen, sondern vordergründig (re-)investiert werden. Geringfügige Vermarktungserlöse aus Überschussmengen, die unter Umständen auch Gewinnkomponenten enthalten, stehen dem Ziel „nicht vorrangig finanzieller Gewinn“ jedoch nicht entgegen.


Maximal 50 % der innerhalb einer Energiegemeinschaft (EEG u. BEG) erzeugten und nicht verbrauchten erneuerbare Strommengen können mittels Marktprämie (vormals: Ökostromtarif) gefördert werden. Sonst sind für Bürgerenergiegemeinschaften keine zusätzlichen finanziellen Anreize vorgesehen.

Kontakt mit Netzbetreibern

Bei der Gründung einer Erneuerbaren-Energie-Gemeinschaft (EEG) ist die Kontaktaufnahme mit dem jeweiligen Netzbetreiber ein essenzieller Schritt, um schlussendlich als EEG in Betrieb zu gehen.

Sie finden auf der Webiste der Österreichischen Koordinationsstelle die Kontaktdaten der jeweiligen Netzbetreiber speziell für Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften. Die LISTE wird laufend erweitert.

Weiterführende Informationen und aktuelle Förderungen

Derzeit befinden sich Energiegemeinschaften im Aufbau. Die Energie Agentur Steiermark ist Ihre unabhängige Informationsstelle zu Energiegemeinschaften in der Steiermark. Die Rahmenbedingungen für EGs sind zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht vollständig definiert und noch mit dem Bundesministerium, Vertretern der Netzbetreiber usw. aktuell geklärt.

Den jeweils aktuellen Stand der Dinge (FAQ und Informationsangebot) sowie Förderungsinformationen finden Sie immer online auf www.energiegemeinschaften.gv.at.

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